Artemis II

Artemis II

Am 1. April 2026 starteten vier Menschen zum Mond. Neun Tage, eine Stunde und 32 Minuten später landeten sie im Pazifik. Dazwischen waren sie weiter von der Erde entfernt als je ein Mensch vor ihnen.

Eine Rekonstruktion mit den echten Bahndaten der NASA. Scrollen steuert die Missionszeit.

Video: NASA, Startrampe 39B im Januar 2026

Die vier Astronautinnen und Astronauten von Artemis II schweben lächelnd in der Kabine der Orion-Kapsel
Foto der Crew an Bord, Flugtag 7. Foto: NASA

Vier Menschen an Bord von Integrity

Integrity ist der Name, den die Crew ihrem Orion-Raumschiff selbst gegeben hat. Es war der erste Flug mit Besatzung für die SLS-Rakete und für Orion.

Reid WisemanKommandant · NASA
Lebte 2014 für 165 Tage auf der Internationalen Raumstation und leitete später das Astronautenbüro der NASA.
Victor GloverPilot · NASA
Marineflieger und Testpilot. Flog 2020 als Pilot der Crew-1-Mission zur Raumstation.
Christina KochMissionsspezialistin · NASA
Verbrachte 328 Tage am Stück im All, länger als jede andere Frau auf einem einzelnen Flug, und war beim ersten rein weiblichen Außenbordeinsatz dabei.
Jeremy HansenMissionsspezialist · CSA
Ehemaliger Kampfpilot der kanadischen Luftwaffe. Der erste Kanadier und der erste Nicht-Amerikaner auf einer Mondmission.

Startrampe 39B, 18:35 Uhr

Kennedy Space Center, Florida, 1. April 2026. Das Space Launch System ist 98 Meter hoch und wiegt beim Start rund 2,6 Millionen Kilogramm. Ganz oben sitzt die Crew in Orion.

T minus 6,36 Sekunden: Die vier RS-25-Triebwerke der Zentralstufe zünden. Wasser flutet die Rampe, um den Schall zu dämpfen.

T null: Die beiden Feststoffbooster zünden. Mit mehr als 8,8 Millionen Pfund Schub, rund 39 Meganewton, hebt die Rakete ab. Nach neun Sekunden hat sie den Turm hinter sich.

Nach 56 Sekunden fliegt sie schneller als der Schall, nach 70 Sekunden wirkt der größte aerodynamische Druck.

T plus 2:08: Die Booster sind ausgebrannt und fallen ab. Acht Minuten nach dem Start schaltet die Zentralstufe ab. Orion ist im All.

Video: NASA, Zeitlupe vom Start am 1. April 2026

Vier Flügel, 19 Meter

Zwanzig Minuten nach dem Start entfalten sich die Solarflügel des Europäischen Servicemoduls. Jeder ist rund sieben Meter lang. Noch hängt Orion an der Oberstufe ICPS.

Zwei Zündungen der Oberstufe heben die Bahn an, bis sie mehr als 70.000 Kilometer weit hinausreicht. Dann trennt sich Orion.

Von Hand gesteuert

Die Crew steuert Orion manuell an die ausgebrannte Oberstufe heran und um sie herum. Die Übung bereitet die Andockmanöver späterer Missionen vor. Danach setzt die Oberstufe vier kleine Satelliten aus Argentinien, Deutschland, Südkorea und Saudi-Arabien aus.

Rund 23 Stunden bleibt Orion nahe der Erde. Die Crew prüft die Lebenserhaltung, die Atemluft und die Funkverbindung, solange eine Rückkehr noch schnell möglich wäre.

5 Minuten, 50 Sekunden

2. April, 19:49 Uhr Ostküstenzeit: Das Haupttriebwerk des Servicemoduls zündet. Es ist das letzte große Manöver der Mission. Danach liegt Orion auf einer freien Rückkehrbahn, die um den Mond herum und von selbst zurück zur Erde führt.

Gebaut in Bremen

Das Europäische Servicemodul der ESA liefert Antrieb, Strom, Wasser und Atemluft. Hauptauftragnehmer ist Airbus, montiert wurde es in Bremen.

Triebwerke
33
Treibstoff
8.600 kg
Trinkwasser
240 kg
Sauerstoff
90 kg

Vier Tage bis zum Mond

Die Linie ist die tatsächliche Flugbahn, aufgezeichnet von der NASA-Navigation. Orion zielt nicht auf den Mond, sondern auf den Punkt, an dem er vier Tage später stehen wird.

Die Erde als volle Kugel mit Afrika und weißen Wolkenbändern vor schwarzem Hintergrund
Die Erde nach dem Einschuss zum Mond, 2. April. Foto: NASA

Von drei geplanten Kurskorrekturen braucht es nur eine: 18 Sekunden Triebwerk, drei Meter pro Sekunde. Am fünften Tag übt die Crew, die Raumanzüge im Notfall schnell anzulegen.

Die Erde als schmale Sichel, nur der Rand ist von der Sonne beleuchtet
Die Erde als Sichel, 3. April, 23:32 UTC. Foto: NASA

Am Abend des fünften Flugtags tritt Orion in die Einflusssphäre des Mondes ein. Ab hier zieht der Mond stärker als die Erde.

Hinter dem Mond

6. April. Der Mond wächst im Fenster, bis er so groß erscheint wie ein Basketball auf Armlänge.

17:56 UTC: Die Crew überholt Apollo 13. Kein Mensch war je weiter von der Erde entfernt.

22:33 UTC

Mond und Erde in einem Bild. Die Szene ist aus den Bahndaten berechnet, mit dem Bildwinkel eines 35-Millimeter-Objektivs, wie es die Crew in diesem Moment benutzte.

Erduntergang, 22:41:37 UTC

Mit einem 400-Millimeter-Teleobjektiv fotografiert die Crew, wie die Erde hinter dem Rand des Mondes versinkt. Achtzig Sekunden später reißt der Funkkontakt ab.

40 Minuten Stille

Der Mond steht zwischen Orion und der Erde. Unter der Kapsel zieht die Rückseite vorbei, Gegenden, die vor dieser Crew noch kein Mensch mit eigenen Augen gesehen hatte.

6.545km

23:02 UTC: der tiefste Punkt über der Rückseite des Mondes. Drei Minuten später erreicht Orion die größte Entfernung zur Erde: 406.771 Kilometer.

23:22 UTC: Die Erde geht wieder auf, der Funkkontakt kehrt zurück.

Eine Sonnenfinsternis, die nur vier Menschen sahen

Auf dem Weg hinaus schiebt sich der Mond vor die Sonne. Um seinen dunklen Rand leuchtet die Korona der Sonne, und die Sterne treten hervor.

Mehr als 7.000 Bilder der Mondoberfläche bringt die Crew mit. Zwei bisher namenlose Krater schlägt sie zur Benennung vor: Integrity, nach dem Raumschiff, und Carroll, nach der verstorbenen Frau des Kommandanten.

Ohne Antrieb nach Hause

Die Schwerkraft der Erde holt Orion zurück. Drei kurze Korrekturen genügen, die kleinste ändert die Geschwindigkeit um einen halben Meter pro Sekunde.

Unterwegs spricht die Crew zum ersten Mal direkt mit der Besatzung der Internationalen Raumstation. Die Bahn schließt sich zu einer Acht.

10. April, 23:33 UTC

Das Servicemodul wird abgesprengt und verglüht in der Atmosphäre. Frei liegt jetzt der Hitzeschild, der größte der Welt.

Fast 35-fache Schallgeschwindigkeit

23:53 UTC, 122 Kilometer über dem Pazifik: Orion trifft auf die Atmosphäre. Am Hitzeschild entstehen rund 1.650 Grad Celsius. Etwa sechs Minuten lang schluckt das Plasma jeden Funkkontakt.

In 7,1 Kilometern Höhe öffnen sich die Bremsschirme, in 1,6 Kilometern die drei Hauptschirme.

10. April, 17:07 Uhr Ortszeit: Wasserung vor San Diego. Die Crew wird von der USS John P. Murtha aufgenommen.

Visualisierung, KI-generiert. Von außen gibt es keine Aufnahme des Wiedereintritts aus dieser Perspektive.

Orion schwebt an drei rot-weißen Hauptschirmen über dem blauen Pazifik
Orion an den Hauptschirmen, 10. April. Foto: NASA/Josh Valcarcel

Die Mission in Zahlen

Dauer9 Tage, 1 Stunde, 32 Minuten
Zurückgelegte Strecke1.117.658 km
Größte Entfernung zur Erde406.771 km
Tiefster Punkt über dem Mond6.545 km
Funkstille hinter dem Mondrund 40 Minuten
Fotos der Mondoberflächemehr als 7.000

Werte laut NASA. Meilen umgerechnet, 1 Meile = 1,609344 km.

Artemis II war ein Testflug. Er hat gezeigt, dass Menschen in Orion zum Mond und zurück fliegen können.

Laut NASA soll Artemis III im kommenden Jahr in einer Erdumlaufbahn den Betrieb mit kommerziellen Mondlandefähren erproben. Eine Landung am Südpol des Mondes ist für 2028 geplant (Stand April 2026).